Drinks des Monats

Zeit für etwas Neues! Im Sommer 2019 präsentieren wir ein paar ungewöhnliche Spirituosen. Beginnen wir mit dem Pisco 1615 Acholado (28,-). Pisco ist ein Traubenbrand aus Peru bzw. Chile. Dieser peruanische Pisco ist eine Melange aus drei Traubensorten, die ihren festen Platz in der peruanischen Pisco-Tradition haben. In der Nase und am Gaumen ein frisches Aroma von Trauben, Pfirsichen, Birne und Bratapfel. In unseren Breitengraden ist der Grappa zwar viel präsenter, allerdings wird Grappe „nur“ aus Traubentrester (also den Resten der Weinproduktion) gewonnen, während Pisco aus Traubensaft gebrannt wird. Entsprechen weniger bitter und fruchtiger ist dieser Pisco. Die klassische Darreichung des Pisco ist der – na klar – Pisco Sour, für den 2 Teile Pisco mit je einem Teil Zuckersirup, Limettensaft und einem Eiweiß geschüttelt werden. einfach mal probieren und verstehen, wieso das in Peru ständig getrunken wird 😉 Dies verbindet den Pisco 1615 Acholado mit zwei anderen Drinks des Monats: alle drei werden durch die Kombination mit Limettensaft und Zucker(sirup) zu großartigen Cocktails, die durch gute Zutaten erst richtig gut werden: dem Daiquiri und die Caipirinha. Der Daiquiri ist ja als Liebringsdrink Ernest Hemingways bekannt, fristet hierzulande aber irgendwie noch ein Schattendasein, was auch an der eher minderen Qualität des hiesigen Rums liegen könnte. Und tatsächlich möchte man mit einem Jamaica Rum-Verschnitt keinen Daiquiri mixen. Wenn man allerdings z.B. den Veritas White Rum (26,-) nimmt, sieh das schon ganz anders aus. Der Veritas ist ein Blend aus ungealtertem Rum zweier der renommiertesten Brennereien der Karibik: Foursquare (Barbados) und Hampden (Jamaica). Allein die Nase schon: fruchtig, kraftvoll, üppig. ein rum, der danach schreit, mit Limette und Eis ins Glas zu wandern. Und eine ähnlich tragische Geschichte finden wir bei der Caipirinha vor. An sich auch ein klassischer Drink aus einem Zuckerrohrschnaps (Cachaça) mit Limette und Zucker, assoziieren wir damit eher schlechte Sommer- oder Studentenpartys, mit vollgeklebter Küche und lauwarmen „Caipirinhas“, aus denen wir gelangweilt die Zuckerkrümel mit dem Strohhalm schlürfen… Auf unseren Reisen nach Brasilien konnten wir aber sehen: Cachaça wird in so vielen unterschiedlichen Formen und Reifungen produziert, dass er eigentlich eine der spannendsten Drinks darstellen könnte. Im Gegensatz zu Pitú oder 51 (die Supermarkt-Cachaças von den o.g. Studentenfeten) ist gut gemachter Cachaça tatsächlich eine hocharomatische Angelegenheit. Besonders spannend ist es dann, wenn der Cachaça in Fässern reift, die nicht aus Eiche gemacht werden (wie Whisky oder Bourbon), sondern aus brasilianischen Hölzern wie Balsam, Ipé oder Umburana. Letzteres trifft auf den Cachaça Germana Umburana (24,-) zu. Hier bringen die Umburana-Fässer eine fruchtige und blumige Note in den Cachaça, die Sie so wahrscheinlich noch nicht im Glas hatten. Im Caipirinha harmonieren die perfekt mit der Limette. Dass sowas gerade mal 24 Euro kostet, liegt wahrscheinlich nur daran, dass Cachaça hierzulande immer noch ein völliges Nischendasein fristet. Das muss geändert werden!

Aus der Hammerschmiede im Harz kommt eine neue Reihe zu uns: Willowburn! Wie aus dem Hause Glen Els bekannt, kommen hier wieder die besonders guten Süßweinfässer zur Geltung. Wie sonst aber nur bei den höherpreisigen Sonderabfüllungen, bieten die Willowburns ein dezidiertes Fassprofil in Trinkstärke, zum günstigeren Kurs. Wir haben momentan Amarone, Port, Marsala und Malaga im Angebot und möchten besonders den Willowburn Malaga Cask (59,-) hervorheben, nicht zuletzt, weil die Malaga-Whiskys von Glen Els einen gewissen Kultstatus erlangt haben. Auch dieser überzeugt und vollends! Gleiches gilt für den Vital Spark 12 yo Blended Whisky (45,-). die Erstauflage des Vital Spark war schnell ausverkauft – kein wunder, gibt es hier doch guten Whisky für okayes Geld: 12 Jahre Reifung im Sherryfass, da kann kaum was schiefgehen. Zumal es sich hierbei nicht um einen Blend handelt, sondern um einen Single Malt einer Islay-Brennerei. Jetzt kann man natürlich hervorragend spekulieren, um was es sich genau hierbei handelt, aber zwei sachen machen eine Einschätzung schwer: einmal der sehr große Einfluss des Oloroso-Sherry-Fasses, zum anderen die Tatsache, dass mit nur 50,2% hier in Fassstärke abgefüllt wurde! Selbst wenn es ein Südküsten-Islay ist, dann kein penetranter Stinker wie Ardbeg, Laphroaig oder junger Lagavulin, sondern eher eleganter wie Bowmore oder älterer Lagavulin. Ach, kommen Sie doch einfach vorbei und probieren ;-)! Der letzte im Bunde bis September ist ein Gin. So dunkel wie Traubensaft. Tatsächlich ist der Grapeskgin (32,-) ein Gin, der mit roten traubenschalen mazeriert wurde. Megafruchtig, wobei die Wacholdernote des Gin richtig toll harmoniert und kontrastiert. wir sind begeistert! Vielleicht kein Gin, den man sklavisch mit einem bestimmten Tonic trinken muss, aber für einen Martini oder Gin Fizz genau die richtige Flasche!

Im Mai 2019 zieht sich ein Cognac-Faden durch die Drinks des Monats. Zum einen gibt es neu den Through the Grapevine Cognac VSOP (45,- €), der nicht nur im schönen Design daherkommt, sondern vor allem ein sehr angenehmer und gut gereifter Cognac ist. „Through the Grapevine“ ist die Cognac-Reihe des „La Maison du Whisky“ in Paris, eine der allerbesten Adressen für hochwertige Spirituosen in Europa. Qualität garantiert! Der Cognac findet sich ebenso im Port Charlotte CC:01 wieder (69,- €): stark getopfter Whisky der Bruichladdich Distillery, in Cognac-Fässern gereift und fassstark abgefüllt. Wir haben noch ein paar Flaschen dieser Sonderabfüllung bekommen können. Gleiches gilt für den Foursquare Dominus Rum (69,- ) aus Barbados, der ebenfalls teilweise in Cognacfässern gereift und mit 56% abgefüllt. Foursquare ist momentan eine der besten und integersten Brennereien in der rum-walt und genießt dort einen exzellenten Ruf. Wer den Dominus probiert, weiß warum.

Im Bereich Whisky möchten wir diesen Monat zudem auf ein spannendes Release aus dem Hause Springbank hinweisen: den Hazelburn 14 yo aus dem Olorosofass (72,- €). Springbank ist eine der traditionellsten Brennereien Schottlands, in der fast alle Schritte der Whiskyherstellung noch unter einem Dach passieren. Der Hazelburn ist deren dreifach gebrannte Version. Er reifte in Fässern, in denen vorher Oloroso-Sherry gelagert wurde – ein sehr herber und trockener Sherry. Früher so etwas wie der Standard-Sherry in der Whiskylandschaft, wird er immer mehr vom süßen Pedro Ximenez-Sherry verdrängt, der zwar Süße bringt, aber nicht die würzige Aromatik eines Oloroso. Zusammen mit dem Spirit von Hazelburn entstand somit ein richtiger Whisky „alter Schule“ (wenn da nur nicht die Fassstärke wäre…).

Die Tequila- und Mezcalszene wird immer spannender und immer mehr gute Produkte finden ihren Weg nach Deutschland – wenn auch lang nicht so viele wie z.B. in die USA. Im Mai legen wir Ihnen den Tequila Cava de Oro Anejo (62,- ) ans Herz. Durch die Lagerung im Eichenfass bekam dieser Tequila eine Süße, die man sonst vom Agavenbrand überhaupt nicht gewohnt ist. Ein richtiger „love it or hate it“-Drink! Einigkeit herrscht hingegen über die Qualität des Lussa Gins (36,- €). Jura, gleich gegenüber der Whisky-Insel Islay in Schottland, ist ein sehr einsames Fleckchen Erde. Was drei Frauen nicht davon abhält, dort ihren Lussa Gin zu brennen. Gezielt ausgesuchte Botanicals und ein hervorragender Brand machen ihn zu einer aromatischen Ausnahme in der Flut der Gins.